Was macht eigentlich ein Bürgermeister?

Ein Interview mit Herrn Brosch von Carla und Nica

Herr Brosch bietet zuerst Süßigkeiten an.

Herr Brosch: Die Süßigkeiten stehen da, weil ihr gerne zugreifen könnt. Das ist bei mir immer so. Ich hab immer ganz viel Süßkram hier. – Da freut ihr euch, ja?

Alle lachen und nicken.

Herr Brosch:       So, dann noch mal herzlich Willkommen von meiner Seite. Ich find‘ das gut, dass ihr euch interessiert für das, was ein Bürgermeister so den ganzen Tag macht – und ich bin total gespannt auf eure Fragen.

Nica:                      Wie ist es so als Bürgermeister?

Herr Brosch:       Total schön. Meine Arbeit macht mir total viel Spaß, ich lerne ganz, ganz viele Menschen kennen und ganz, ganz viele Probleme in der Stadt und auch schöne Sachen in der Stadt und deswegen muss ich sagen: Ich hab‘ noch nie eine Arbeit gehabt, die so vielfältig ist und mir so viel Spaß gemacht hat. Sehr, sehr schön, ja!

Carla:                    Seit wann sind Sie verheiratet?

Herr Brosch:       Oh, seit 1998 bin ich verheiratet … hab zwei Kinder, die sind mittlerweile ein bisschen größer als ihr es seid. Aber die sind auch hier in den Grundschulen gewesen und  haben da auch viel Spaß gehabt.

Nica:                      Was tun Sie in der Freizeit?

Herr Brosch:       Da ist nicht ganz so viel Freizeit, deswegen muss man sehr gut überlegen, was man in der Freizeit macht, aber ich lese, soweit das möglich ist, gerne Dinge. Oft ist es auch was Dienstliches, leider. Ich geh‘ gerne, soweit ich das kann, auch spazieren, raus an die frische Luft, schau mir gerne den Ort an. Bin sehr, sehr gerne mit meinen Kindern unterwegs, äh, spiel mit ihnen Karten oder andere Dinge und versuche dann die Zeit, so gut es geht, mit meiner Familie zu verbringen, soweit sie da ist.

Nica:                      Was haben oder wollen Sie für Halver tun?

Herr Brosch:       Da gibt es ganz viele Sachen, ganz unterschiedliche Sachen. Wenn man mal so zurückguckt, dann gibt’ s so‘ n paar Lieblingsprojekte –  eins ist nebenan, bei euch der Spielplatz. Das hat mir sehr, sehr viel Spaß gemacht. Und das ist dann sehr schön, wenn man sieht, dass das auch angenommen wird, und viele, viele Kinder dann auch da sind, die Eltern da sind, Großeltern da sind. Ich glaube, im Spielplatzbereich können wir uns noch verbessern. Ja, wir müssen mal gucken, ob wir da noch ähnliche Ansatzpunkte finden. Ich möcht‘ gern was tun im Betreuungsbereich für junge Menschen. Das betrifft dann die Kinder, die noch ein bisschen kleiner sind als ihr. Wir müssen schauen, dass wenn eure Eltern vielleicht beide arbeiten müssen, dass wir die Kinder dann gut untergebracht kriegen. Und … da haben wir Nachholbedarf hier in Halver. Wir sind auch dabei ganz konkret zu überlegen, wie wir uns da verbessern können. Ob wir einen neuen Kindergarten bauen, wo der hinsoll. Da ist im Moment im Gespräch  … in der Mühlenstraße, wo jetzt der Sportplatz ist, der kaum noch benutzt wird, dass wir da einen zusätzlichen Kindergarten mit sechs Gruppen machen. Im schulischen Bereich haben wir viel zu tun. Digitalisierung ist ein großes Thema, das uns sehr beschäftigt … Ähm, das ist ein bisschen abstrakt für euch: Also alles, was mit Computern zu tun hat und was mit Lernen am Computer zu tun hat, da wollen wir uns ein bisschen besser aufstellen. Was mir viel Spaß macht, ist das Thema Aussichtsturm, weil ich glaube, wir müssen unsere alten Gebäude auch ein stückweit erhalten und deswegen müssen wir immer wieder auch Sachen sanieren, damit sie nicht hinterher komplett verschwunden sind. Und da sind wir ja gerade in diesem Jahr dran, das werden wir im nächsten Jahr zu Ende bringen. Unsere Sportvereine liegen mir sehr am Herzen, weil ich glaube, dass alle Halveraner abends und nachmittags ein paar gute Angebote brauchen, hier bei uns in der Stadt, damit man seine Freizeit gut organisieren kann und nicht gelangweilt irgendwo am Straßenrand herumsteht. Das Problem bewegt mich auch. Im Bereich der Kultur haben wir ganz ganz viele Sachen, die wir machen wollen, wo wir immer wieder neue Angebote für Kinder und auch für Erwachsene gemeinsam mit einer Kulturbeauftragten jedes Jahr neu aufstellen. Das ist auch gut besucht. Und da müssen wir jedes Jahr gucken, dass uns das immer wieder gut gelingt. Und ich glaube, das sind so ein paar Schwerpunkte, die uns in der nächsten Zeit beschäftigen, wo wir mittlerweile dran sind.

Nica:                    Auf welcher Schule waren Sie mal?

Herr Brosch:        Auf ganz vielen (lacht). Ich hab‘ angefangen mit 6 Jahren in der Grundschule West – wisst ihr noch, welche das jetzt ist?

Nica und Carla überlegen.

Herr Brosch:         Regenbogen, genau, und zwar der Hauptstandort. Da habe ich angefangen mit sechs Jahren. Dann bin ich zwei Jahre in der Realschule gewesen. Das war damals noch der normale Weg, weil das Gymnasium erst ab Klasse 7 angefangen hat. Und ab Klasse 7 bin ich dann am Anne-Frank-Gymnasium gewesen, das hieß damals noch Aufbaugymnasium und hab da mein Abitur gemacht. Dann war ich drei Jahre in einer Fachhochschule, die haben wir hier nicht in Halver, deswegen bin ich dann nach Hagen gegangen, hab da Verwaltung gelernt und eine Ausbildung im gehobenen Dienst gemacht und dann habe ich von 1994 bis 96 noch ein zweites Studium gemacht. Ich hab‘ da Betriebswirtschaft gelernt. Das ist so mein schulischer Hintergrund, den ich hier mitgebracht habe.

Carla:       Wollen Sie bei der nächsten Bürgermeisterwahl wieder antreten?

Herr Brosch:    Ja! (lächelt) Ja, ähm, ist nicht selbstverständlich, aber eigentlich ist das so eine Folge aus eurer ersten Frage: Ja, deswegen, weil es mir viel Spaß macht. Es gibt immer mal auch Dinge, die einem nicht so viel Spaß machen, aber das hat man, glaub‘ ich, in jedem Beruf, und deswegen muss man immer so insgesamt gucken, ob das stimmt. Und da muss ich sagen, ein ganz klares Ja. Und deswegen werde ich auf jeden Fall wieder antreten.

Nica:            Was macht man so als Bürgermeister.

Herr Brosch:        Ja, das sind ganz viele Dinge, die da zusammenkommen. Ich fange mal hier im Rathaus an. Wir haben ja schon mal darüber gesprochen, was man hier so alles erledigen kann. Wir haben eine ganze Menge Aufgaben, die sind Pflicht. Das fängt an, wenn ihr hier unten reinkommt im Einwohnermeldeamt, dass Personalausweise hier ausgegeben werden. Das geht dann weiter, wenn wir den Flur hier weitergehen, dass ihr hier im Rathaus heiraten könnt. Wir gucken, dass bei Euch zu Hause der Müll abgeholt wird. Das muss organisiert werden. Wir schauen, dass im Winter, so gut es geht, der Schnee von den Straßen kommt. Da ist das Steueramt, die Anlaufstelle, mit mir hier oben hinkommt. Dann geht‘ s hier in dem Bereich sehr stark darum, dass wir verschiedene Institutionen haben, die zusammen arbeiten und ein Gremium, das ist das wichtigste Gremium der Stadt, das ist der Rat. Da bin ich Vorsitzender des Rates. Da werden alle ganz ganz wichtigen Entscheidungen getroffen. Wir treffen uns mindestens 5-mal im Jahr. Vorher gibt‘ s Fachausschusssitzungen, wo dann zu bestimmten Spezialthemen, z.B. Schule, Umwelt Entscheidungen vorbereitet werden. Das wird hier organisiert. Wenn ich dann mal in die nächste Etage gucke, da sitzen die Kollegen der Kämmerei, da ist nicht so spannend, weil die eigentlich viel mit Zahlen arbeiten, aber das ist wichtig, weil Geld braucht man auch. Und da sind auch die Kollegen des Schulamtes, das heißt, alles, was mit Schule und Kindergärten und ähnlichem zu tun hat, das wird ebenfalls hier im Rathaus erledigt. Und von den Leuten, die hier arbeiten, bin ich quasi der Chef. Zumindest erst mal für fünf Jahre. Ja, und deswegen hat man mit allen Bereichen sicherlich auch etwas zu tun und auch mit allen Ratsmitgliedern was zu tun und bereitet da Entscheidungen vor. Und die werden dann im Rat getroffen und der Bürgermeister ist die Instanz, die dann hinterher das Ganze umsetzen muss mit den Leuten, die hier im Rathaus arbeiten.

Carla:                       Dürfen wir Sie was zu Ihrer Behinderung fragen?

Herr Brosch:          Ja, klar!

Carla:                      Was macht Ihre Behinderung so in der Arbeit aus?

Herr Brosch:          Eigentlich gar nichts. Es ist so, dass ich nicht so gut laufen kann, ja, und wenn mir Sachen auf den Boden fallen, dann komm ich auch nicht mehr so gut runter. Aber ich hab ganz ganz viele Menschen hier im Rathaus, die wissen das und die helfen mir dann und deswegen muss man einfach gucken, dass man seinen Tag, seinen Arbeitsablauf so organisiert, dass man mit der Behinderung zurechtkommt. Ich sagte ja schon, ich hab zwei Kinder zu Hause, die haben das von Anfang an erlebt und die nehmen das eigentlich gar nicht mehr wahr, dass ich behindert bin. Und wenn ich irgendwo Hilfe brauche, dann frage ich und ich habe noch nie erlebt, dass mir jemand gesagt hat: „Nee, das mach aber allein.“ Ja, also dann… ich habe da immer helfende Hände gefunden und dann kommt man zurecht und kann eigentlich alles auch als Bürgermeister machen, was man machen muss. Vielleicht macht man‘ s ein bisschen anders, aber man kriegt das alles hin. Ich will euch mal ein Beispiel nennen: Wenn jetzt am nächsten Sonntag Volkstrauertag ist, dann ist das üblich, dass der Bürgermeister an der Susannenhöhe, wo früher die Förderschule war, da gibt‘ s ein Denkmal … Da erinnern wir dann an schwierige Zeiten hier in der Bundesrepublik und das Denkmal ist nicht ganz so gut erreichbar. Das liegt mitten im Wald und mein Vorgänger, der hat das ganz normal gut hingekriegt und ich komm da nicht so gut hin, deswegen nehm‘  ich mir immer zwei Feuerwehrleute mit, die eh da sind. Und die helfen mir dann, über diese unwegsamen Strecken drüberzukommen und dann kann ich alles ganz genau so machen, wie das vorher auch der Fall gewesen ist und da finden wir dann einen Weg. Es geht anders, aber es geht gut.

Carla:                      Wie gehen die Menschen mit der Behinderung um?

Herr Brosch:         Sehr positiv. Ich hab‘, wie gesagt, noch nie mitbekommen, dass jemand gesagt hat: „Mensch, ich helfe nicht, wenn Hilfe benötigt wird.“ Viele Kinder sind da neugierig und fragen. Da habe ich überhaupt kein Problem mit. Weil, wer fragt, der kriegt  ne Antwort und ich versuche da auch ganz normal mit umzugehen. Manche Menschen sind da sehr unsicher und sind da auch manchmal ein bisschen … überzogene Hilfestellungen kriege ich schon mal angeboten. Und da sage ich dann immer: „Wenn ich Hilfe brauch, dann frage ich.“ Und ansonsten machen wir zusammen alles ganz normal. Also, dass sich jemand darüber lustig macht oder ähnliches passiert eigentlich fast nie.

Carla:          Wir haben im Schülerparlament besprochen, ob es möglich wäre,  ein in den Boden gebautes Trampolin anzubringen- der Förderverein hätte dafür auch Geld.

Herr Brosch:     Mhm. Dann würde ich euch vorschlagen, dass ich das mal mitnehme hier ins Rathaus. Dass wir uns mal zusammen mit dem Fachbereich 3 überlegen, was wir da machen müssen. Der Fachbereich 3 ist der, der zuständig ist bei mir für alles, was mit Bauen zu tun hat. Im Außenbereich oder auch in den Gebäuden. Wir haben ja jetzt gerade, am 1. November, eine neue Mitarbeiterin bekommen. Und mit der werde ich mal sprechen, was wir da tun müssen, was das kostet. Und dann würde ich vorschlagen, dann kommen wir zusammen ins Schülerparlament, wenn ihr das möchtet, ja und sprechen darüber, ob und wie wir das umgesetzt kriegen. Okay?

Nica und Carla:                 Mhm.

Nica:                                     Das war‘ s.

Herr Brosch:                      Das war‘ s schon?

Nica und Carla nicken.

Herr Brosch:       Gut, dann sage ich Danke für Euer Interesse. Finde ich total gut. Bin sehr gespannt, was die anderen Mitschüler von Euch dazu sagen werden und freu mich dann auf die Rückmeldung irgendwann. Vielen Dank!